Mittwoch, 14. Juli 2021
Kategorie: Feuerwehr

Feuerwehr trainiert für die Rettung im Tunnel

Bald ist es soweit: Dann wird die B 31-neu und mit ihr der verlängerte Waggershauser Tunnel für den Verkehr freigegeben.
Auf dem Gelände der Feuerwehr probten die Einsatzkräfte die Abläufe, die im Ernstfall genau sitzen müssen.
Sie sind gut vorbereitet: Auf dem Gelände der Feuerwehr probten die Einsatzkräfte die Abläufe, die im Ernstfall genau sitzen müssen.

Ein schwerer Verkehrsunfall mit Feuer im Tunnel wäre für die Feuerwehr Friedrichshafen eines der wohl schlimmsten denkbaren Szenarien. Um auf solche Unfälle und die Rettung von Verunglückten im Tunnel vorbereitet zu sein, trainieren die Feuerwehrmänner- und –frauen auf dem Gelände der Feuerwehr für den Ernstfall, den abwehrenden Brandschutz und die Gefahrenabwehr. Denn im Ernstfall müssen die Abläufe genau sitzen und wollen deshalb geprobt sein.

„Bereits vor zwei Jahren haben wir die Arbeitsgruppe Tunneleinsatz unter der Leitung von Ralf Sesterhenn gegründet“, erklärt Stadtbrandmeister Louis Laurösch. Die Arbeitsgruppe gliedert sich in zwei Gruppen. Zum einen in den Bereich Alarm- und Ausrückeordnung, die gemeinsam mit Stadtbrandmeister Lous Laurösch den Kräfteansatz für die verschiedenen Einsatzereignisse im Tunnel festgelegt hat. Die zweite Gruppe bereitet die Mitglieder der Feuerwehr Friedrichshafen und den Nachbarfeuerwehren Eriskirch, Immenstaad, Oberteuringen und Markdorf auf die Aufgaben im Tunnel vor. Dazu wurde die bisherige Ausbildung der Einsatzkräfte erweitert.

Große Herausforderung
Brände in Tunneln sind für die Einsatzkräfte der Feuerwehr unter anderem wegen der langen Anmarschwege eine große Herausforderung und erfordern eine besondere Einsatztechnik. Diese Einsatztaktik wurde in der Schweiz, nach den Bränden im Gotthardstraßentunnel und im Mont Blanc-Straßentunnel, für Tunnel ab einer Länge von 400 Metern entwickelt.

„Ein Ergebnis daraus war, dass die Brandphänomene und die Herausforderungen für die Feuerwehren unabhängig von der Tunnellänge ähnlich sind“, so Laurösch. Das Land Baden-Württemberg hat die Schweizer Tunnelbrandbekämpfungslehre in wesentlichen Teilen übernommen und deshalb werden immer wieder Führungskräfte der Feuerwehr Friedrichshafen an der International Fire Academy in Balsthal/Kanton Solothurn ausgebildet.

Für die Ausbildung von Führungskräften steht dort ein 300 Meter langer Übungstunnel im Maßstab 1:1 zur Verfügung. Die Häfler Feuerwehrkräfte, die dort ausgebildet wurden, gaben ihre Kenntnisse an alle Mitglieder der Arbeitsgruppe Tunneleinsatz in der Tunnelbrandbekämpfungstechnik weiter. Zum Lehrgang gehörten Themen wie Baukunde von Straßentunneln, Einsatztaktik, praktische Übungen zum Löschen sowie Suchen und Retten und Erkunden. Auf einer Planübungsanlage wurden mögliche Brandeinsätze mit Modellfahrzeugen nachgestellt und deren einsatztaktische Bekämpfung erarbeitet.

In Friedrichshafen wurde dann das weitere Ausbildungskonzept für die Feuerwehr Friedrichshafen definiert und dabei festgelegt, dass alle Gruppenführer, die gleichzeitig auch Atemschutzträger sind und die Einheiten vor Ort im Tunnel führen, alle Zugführer und mögliche Einsatzleiter mit einem Pilotlehrgang „Führungskraft im Tunneleinsatz“ auf die zukünftigen Aufgaben bei Schadensereignissen im Tunnel vorbereitet werden.

Bei der Feuerwehr Friedrichshafen wurden 74 Führungskräfte ausgebildet. Sie gaben diese Kenntnisse an die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Feuerwehr Friedrichshafen und der Nachbarfeuerwehren Eriskirch, Immenstaad, Oberteuringen und Markdorf nach einem einheitlichen Ausbildungskonzept weiter.

Auch die Ausrüstung der Feuerwehr wurde für den Tunneleinsatz ergänzt. „Durch die meist starke Rauchentwicklung haben die Einsatzkräfte Nullsicht. Sie müssen jeden Zentimeter des Tunnels ganz genau kontrollieren“. Deshalb stehen Markierleuchten zur Verfügung, mit denen die Standorte von Verletzen und wichtigen Einrichtungen gekennzeichnet werden. Die Markierleuchten haben verschiedene Farben und dienen dazu, dass sich die Einsatzkräfte in einem dunklen Tunnel unter Atemschutz schnell orientieren können.

Der Atemschutz spielt bei Einsätzen in verrauchten Straßentunneln eine besondere Rolle. Bei Einsätzen im Tunnel sind die Anmarschwege verhältnismäßig lang und auch die Bereiche, die nach Personen abgesucht werden müssen, sind sehr groß. Die Einsatzzeit eines Feuerwehrmannes mit Atemschutzmaske beträgt zwischen 30 und 50 Minuten. Für die Personenrettung wurden zusätzliche Schleifkorbtragen und Suchstöcke beschafft, die die Suche nach Verletzten im dunklen Tunnel unterstützen.