Mittwoch, 02. September 2020
Kategorie: Feuerwehr

200 bar und 90 Grad: Neues Fahrzeug nur für Ölspuren

Wie die Doppeldeckerbusse in London hat das neue Fahrzeug der Feuerwehr Friedrichshafen sein Lenkrad auf der rechten Seite und auch farblich steht es dem britischen roten Nahverkehrsmittel in nichts nach. Nur die Funktion ist eine völlig andere: Der neue Lastwagen der Feuerwehr ist spezialisiert auf das Entfernen von Ölspuren.
Öl-Feuerwehrfahrzeug mit rotierenden Besen

Bisher mussten bei längeren Ölspuren 20 Feuerwehrleute ausrücken, um mit Besen und Ölbindemittel die Fahrbahn zu reinigen. Jetzt reichen zwei Personen.

Im Grunde ist das neue Öl-Fahrzeug eine mobile Waschanlage: Vorne wird unter der Stoßstange Tensid – also Lösungsmittel – auf die Fahrbahn gesprüht, das nach kurzer Einwirkzeit mit rotierenden Bürsten eingearbeitet wird. Am Heck des Fahrzeuges kümmert sich ein Hochdruckreiniger um den Rest, bevor das Schmutzwasser eingesaugt wird und die Fahrbahn wieder sauber und so gut wie trocken ist. Das Frischwasser – aus zwei Tanks mit insgesamt 2700 Litern Fassungsvermögen – wird im Fahrzeug auf 90 Grad aufgeheizt und kommt mit einem Druck von 200 bar aus den Düsen – je nach Bedarf auf zwei verschiedene Arten. Die Hecksauganlage befördert das Schmutzwasser in einen extra Tank, der entweder 4500 Liter in flüssiger Form oder sechs Kubikmeter in fester Form, wie zum Beispiel Laub, aufnehmen kann.

Das Fahrzeug mit ZF-Automatikgetriebe fährt auf zwei Arten: mit einem Diesel-Motor, um an den Einsatzort zu kommen, und hydrostatisch im Reinigungsbetrieb. Gefahren wird dann mit etwa acht Kilometern pro Stunde und einem Hebel, anstatt mit Gas und Bremse. Rechts auf der Fahrerseite gibt es sehr viele Knöpfe, um das 18-Tonnen-Gefährt zu steuern. Und sollte der Platz mal nicht ausreichen, gibt es auch noch Handgeräte für die Feinarbeit.

Wenn die Ölspur dann gereinigt und der Tank voll ist, kann die Feuerwehr das Schmutzwasser in einem Container im Hof zwischenlagern, der extra für die neuen Anforderungen umgebaut wurde. Sobald die 11.000 Liter Fassungsvermögen des Containers voll sind, wird der Inhalt als Sondermüll von einem Entsorger abgeholt.

Corona-bedingt kam es zu einer verzögerten Auslieferung. Bereits im August konnte sich die Feuerwehr mit der Technik vertraut machen, seither läuft die Ausbildung. 15 bis 20 Feuerwehrleute sollen das Fahrzeug letztlich bedienen können, jeweils etwa die Hälfte aus Haupt- und Ehrenamt. Testweise wurde das Fahrzeug schon im August genutzt und Stadtbrandmeister Louis Laurösch ist zufrieden: „Wir hatten das Fahrzeug bei drei Einsätzen dabei und es hat sich bewährt, sodass im regulären Einsatzbetrieb ab September nicht mehr von Hand gekehrt werden muss.“  

Bei 100 bis 130 Ölspur-Einsätzen im Jahr, manchmal mit einer Länge von bis zu drei Kilometern, rentiert sich das rund 440.000 Euro teure Gefährt. Vor allem, weil dadurch die ehrenamtlichen Feuerwehrleute entlastet werden und weil es in der Gegend keinen gewerblichen Anbieter gibt, der so ein Fahrzeug in vertretbarer Zeit, zu einem vertretbaren Preis anbieten könnte. Und weil das Fahrzeug eine Rarität ist, haben die Feuerwehr Friedrichshafen auch schon die ersten Anfragen aus der Nachbarschaft erreicht: „Wir müssen jetzt erst einmal Erfahrungen im Einsatz sammeln und dann kann es vielleicht auch für Überlandeinsätze eingesetzt werden“, sagt Louis Laurösch.

Wer übrigens eine Ölspur verursacht, bekommt den Einsatz des Fahrzeugs in Rechnung gestellt.

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